Jogginghose

Neulich musste ich an einem Sonntagvormittag zur Bank, um Kontoauszüge abzuholen. Ich dachte: Ach, das sind ja nur fünf Minuten und wer soll dich schon sehen? Für einen kurzen Moment überlegte ich, die Jogginghose einfach anzubehalten. Dann hatte ich aber doch bedenken: Was, wenn mir doch jemand begegnet?

Wir brauchen die Verwandlung, den Übergang von drinnen nach draußen und umgekehrt, von öffentlich zu privat. Den Büroalltag und seine Hose abstreifen und sich couchfertig machen: Jogginghose an.
Wer mit Jogginghose nach draußen geht und wieder heim kommt, war nie wirklich weg. Die Straße ist sein Wohnzimmer.

Doch wenn Leute Jogginghosen tragen, was tragen sie dann zu Hause? Anzüge? Oder gleich gar nichts? Stellen die Menschen, die in der Öffentlichkeit Jogginghose tragen, einen Gegenentwurf zu Schickimicki dar?

Kann man sich schwerlich vorstellen. Die einzigen Menschen, die man in der Öffentlichkeit mit Jogginghose sieht, sind a) Sportler, die gerade vom Fitness-Studio zu ihrer Wohnung/ihrem Auto rennen oder b) junge  Menschen, die gerade den „Gangster-Style“ für sich entdeckt haben. Jogginghose tragen bedeutet für sie, authentisch zu sein.

Doch für die meisten bedeutet Jogginghose tragen einfach nur Bequemlichkeit und keine sportliche Betätigung, auch wenn Karl Lagerfeld der Meinung ist, „wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Dennoch lieben wir dieses labberige und bequeme Stück Baumwolle, die an einem herunterhängt wie ein Sack Kartoffeln. Man sollte sich nur nicht draußen damit sehen lassen.  Außer vielleicht am 21. Januar, wenn die Erfinder des internationalen Jogginghosentages dazu aufrufen, das Beinkleid einen ganzen Tag lang zu zelebrieren und es in der Öffentlichkeit zu tragen.

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